RHYTHMUS - PERFEKTION – SCHEIN 

Arbeiten von: Ellen Ernst, Klaus W. Rieck, Jutta Scheiner + Abel Bazan

Vernissage: Freitag, 1. April 2011, 19h

Ausstellungsdauer:    2. April  bis 15. Juni 2011

Ellen Ernst  

Bewegung und Veränderung und deren malerische Umsetzung stellen den Schwerpunkt der Arbeiten von Ellen Ernst dar. Wie kann Bewegung im Bild erlebbar werden? Ist der nächste Augenblick, die Veränderung, bereits wahrnehmbar? Oder soll ganz bewusst ein Punkt der Ruhe und des Verharrens geschaffen werden?
Die aktuellen Werke thematisieren den pulsierenden Rhythmus der Großstadt (speziell meiner Heimatstadt Berlin), ihre Flüchtigkeit und Anonymität. Die Menschen in Berlin sehe ich in Bewegung wie die Stadt selbst. Berlin verändert sich –seit dem Mauerfall rasant- und der Blick verändert sich, findet kaum Ruhepunkte im fließenden Verkehr und vorbeilaufenden Menschen, ständig neuen Eindrücken. Das ist die Faszination des Urbanen, der Beschleunigung, aber auch der Gehetztheit ihrer Bewohner, die sich im Rhythmus der Stadt, nicht in ihrem Eigenen, bewegen.
Ellen Ernst lebt und arbeitet in Berlin.  

Klaus W. Rieck     

Im Februar 2006 entdeckte ich auf einem der Felder neben dem Zufahrtsweg zu meinem Atelier die vielen Feldsteine, welche der Frost an die Oberfläche gedrückt hatte - in so einer Vielfalt, fast jeder Stein war von unterschiedlicher Farbe und Struktur. Da kam der Stein also gleichsam zu mir, und ich brauchte ihn nur aufzulesen.
Der gefundene Stein in der Einzigartigkeit seiner Form und Farbe, über Jahrmillionen von natürlichen Prozessen geformt, ist Ausgang meines Werkes. Ich spüre seinem Wesen nach und suche seine skulpturale Eigenheit.
Steine sind oft schwer. In meiner täglichen Arbeit als Steinbildhauer erfahre ich das leibhaftig.  Einen tonnenschweren Stein mit Hebeisen, die Hebelgesetze nutzend, zu drehen ist jedes Mal aufs Neue aufregend. Das Phänomen der Masse beim Heben und Drehen der Steine beeindruckt mich immer wieder. Die Erfahrung, die ich im Umgang mit den Steinen mache, beschäftigt mich auch thematisch in meiner Arbeit. Wie weit kann sich eine Skulptur neigen bis sie kippt?
Wie weit kann man einen Stein aushöhlen um ihn leichter zu machen? Und wie dünn kann ein Stein sein, fragte ich mich, und schliff einen Granit so weit bis das Licht hindurch schien. In meine Skulpturen fließt all dies ein. 

Klaus W. Rieck lebt und arbeitet in Berlin. 

Jutta Scheiner 

Von der Elfenbeinschnitzerin zur Meisterschülerin ihrer Bildhauerklasse bei Prof. Berndt Wilde in Berlin-Weißensee, von Acryl über Styropor und von Kissen zu Knöpfen: die Kunst Jutta Scheiners spielt mit immer neuen Materialien. Der verbindende rote Faden ist die unerbittliche, mutige und gleichzeitig entwaffnend graziöse Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Realen, das sich mit dem Schein maskiert. Oder das, bei Jutta Scheiner, durch die Maske seinen eigentlichen komplexen Charakter erst ausdrückt: die Erscheinung als die Essenz des Seins.
Inspiriertes anzuschauen ist inspirierend; kein Zeitverlust, sondern ein Geschenk. Die Arbeiten sind bedeutungsvoll und bleiben dabei trotzdem ganz unaufdringlich - was eigentlich ein Paradox ist - aber hier gelingt es. Schöne Kunst: gut für das Auge, nährend fürs Gehirn.
Jutta Scheiner lebt und arbeitet in Berlin

 

Abel Bazan

artiste du papier

Ich habe eine Leidenschaft für Schuhe und was sie repräsentieren: die Kultur, den Status, persönlichen Geschmack, Alter, Sexualität, so gar Gesundheit…  Ich glaube die Schuhe sind nicht nur ein Artikel zum Schutz vor dem Wetter, sie sagen viel darüber aus, wer wir sind. Ich liebe es, die Menschen zu beobachten, was und wie sie sich anziehen (was sie an ihren Füßen tragen). Schuhe sind wie Vasen, in denen die Blumen (Füße) aufblühen können… ich sehe die Leute aufblühen.  Ich möchte nicht, dass meine Schuhe das Publikum schockieren oder abstoßen, es gibt schon so viele schlechte Nachrichten, um uns zu schockieren. Ich möchte dass die Leute meine Schuhe sehen und sich freuen und wünschen, dass sie sie anziehen könnten… aber das ist meine Revanche: Sie können sie nicht anziehen, sie sind wie Träume, Hoffnungen von etwas Besserem… ja, vielleicht gerade diese herrlichen Dinge, die man haben möchte aber nicht bekommen kann:  so ist das Leben… die Schönheit die wir uns wünschen, ist in unserem Leben nicht immer erreichbar.

 

 

Top | info@berlin-avantgarde.com